Geschichte des Reichstages

Das Berliner Reichstagsgebäude beherbergte zunächst den Reichstag des Kaiserreichs, welcher wesentlich weniger Befugnisse als der heutige Bundestag besaß. Er wurde bereits im Jahre 1871 eingeführt, das speziell für ihn errichtete Gebäude jedoch erst 1894 eingeweiht.

Reichstag Berlin (Zeichnung)
Reichstag Berlin (Zeichnung)

Auch das Parlament der Weimarer Republik tagte im Reichstagsgebäude, welches jedoch 1933 nach einer Brandstiftung ausbrannte. Während der Zeit des Nationalsozialismus hatte der Reichstag faktisch keine Funktion, da die Gesetzgebungskompetenz bei der Reichsregierung lag. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Bonn die vorläufige Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland, während die DDR den östlichen Teil Berlins zur Regierungsstadt erhob. Das im Krieg beschädigte Reichstagsgebäude lag auf westdeutschem Gebiet an der Spree und durfte gemäß des Viermächtestatus nicht für Sitzungen eines bundesdeutschen Parlaments genutzt werden. Aus politischen Gründen führten einige Parteien jedoch regelmäßig Sitzungen im Reichstagsgebäude durch, was den Statuten nicht widersprach.

Ausländische Staatsgäste besuchten während der Zeit der deutschen Trennung das Reichstagsgebäude und erhielten dort einen Eindruck von den Auswirkungen der Teilung Berlins. Nach der deutschen Wiedervereinigung bestand der Wunsch, den Regierungssitz wieder von Bonn nach Berlin zu verlegen und somit auch den Reichstag wieder als Parlamentsgebäude zu verwenden. Den entsprechenden Beschluss fasste der Bundestag bereits im Jahr 1990, bis zur endgültigen Umsetzung vergingen auf Grund der umfangreichen Sanierungsarbeiten und Umbaumaßnahmen jedoch acht Jahre. Die Bundesversammlung konnte das Reichstagsgebäude aber schon ab 1994 nutzen.

Bereits der Bau des Reichstages war umstritten, da der deutsche Kaiser zunächst die Lage des geplanten Gebäudes als zu exponiert bewertete. Dass eine Brandstiftung die Ursache des Reichstagsbrandes in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933 war, steht zweifelsfrei fest. Nicht sicher ist jedoch, ob der als Täter verhaftete Marinus van der Lubbe tatsächlich der Täter oder nicht als am Tatort anwesender Kommunist ein willkommener Sündenbock war. Er wurde wegen der (vermeintlichen) Täterschaft hingerichtet, seit 1998 gilt das Urteil als aufgehoben. Die zentrale Begründung für die Aufhebung des Urteils lautet jedoch, dass dieses auf ein erst nach der Tatbegehung verabschiedetes Gesetz zurückgeht. Die Nationalsozialisten sahen im Reichstagsbrand eine gute Gelegenheit, die Grundrechte weitgehend aufzuheben und mit formaljuristischen Mitteln gegen ihre Gegner vorzugehen.

Briefmarke der Deutschen Bundespost von 1964 mit Reichstag
Briefmarke von 1964

Weitere Schäden erfuhr das Reichstagsgebäude während des Zweiten Weltkrieges, da es von alliierten Bomben getroffen wurde. Die Entscheidung zum Wiederaufbau stammt aus dem Jahr 1955. Da der Bundestag nicht im Reichstagsgebäude tagen durfte und Berlin zudem nicht die Hauptstadt der Bundesrepublik war, wurden die Räume für ein Parlamentsmuseum und ein Geschichtsmuseum genutzt. Inzwischen ist das Gebäude der Sitz des Deutschen Bundestages. Sprachlich bezeichnet der Begriff Reichstag heute nur als Kurzform das Gebäude, während das Parlament Bundestag heißt. Früher konnte mit der Bezeichnung „Reichstag“ einerseits das Haus selbst und andererseits die in diesem stattfindende Versammlung der Mandatsträger gemeint sein.

Aktualisiert von Marco am 23. Juli 2016